Ordnung ist das halbe Leben
Oder wie war das noch mal?
Naja, egal.
Umziehen! Jeder kommt früher oder später in diese Situation. Eine Zeit, in der man sowieso gestresst ist und sich um tausend Dinge gleichzeitig kümmern muss. Und neben all diesen Sorgen kommt eine weitere unweigerlich hinzu:
Wie kriege ich überhaupt das Aquarium ins neue Zuhause?
Dies wird der erste Beitrag sein einer mehrteiligen Reihe rund um das Thema Umzug. Es sollte nämlich nicht unterschätzt werden, was es für ein Aufwand sein kann mitsamt Aquarien und Fischen umziehen zu müssen.
Man darf auch nicht vergessen, dass das System Aquarium große Veränderungen nicht gerade leiden kann. Insbesondere nicht, weil man alleine schon einen Großteil der Mikrofauna beim Entfernen der Pflanzen und Dekorationsgegenstände unweigerlich zerstören wird. Deshalb ist es unabdingbar sich ausführlich Gedanken zu machen, wie genau der Umzug stattfinden soll.
Es lauern viele Gefahren auf dem Weg zum neuen Bestimmungsort, durch eine gute Planung kann man allerdings bereits den meisten Problemen vorbeugen.
Aber fangen wir zunächst mit ein paar grundlegenden Themen an, bevor wir anfangen das Aquarium auseinanderzunehmen. In diesem Beitrag der Reihe sollen erst einmal wichtige Aspekte zusammengetragen werden, die man unbedingt bei einem Umzug mit Aquarien beachten muss. Denn da kommen einige Dinge zusammen, die man im ersten Moment vielleicht nicht unbedingt erwartet.
Als Erstes die Chemie
Zunächst sollten wir uns Gedanken machen über die Wasserwerte am neuen Wohnort.
Zieht man nicht gerade nur ein paar Straßen weiter, so kann man davon ausgehen, dass man zukünftig nicht dieselben Wasserwerte haben wird. Je nachdem wie groß die Unterschiede von pH-Wert, Gesamt- und Karbonathärte zum ursprünglichen Leitungswasser sind, kann dies zu großem Stress, bis hin zum Tod der Fische führen. Doch nicht nur die allgemeinen Wasserwerte sollte man ermitteln.
Da man nie wissen kann, was im neuen Haus für Wasserleitungen verlegt wurden, ist es auch sehr wichtig, dass man das Leitungswasser auf Schwermetalle untersucht, insbesondere auf Kupfer. Bereits geringe Mengen können hier ausreichen, da die freien Kupferionen sehr giftig sein können. Vor allem für Welse und Garnelen kann das schnell tödlich enden.
Daher hier an der Stelle mein Rat: Wenn ihr beim Besichtigungstermin oder bei einer anderen Gelegenheit vorab in der neuen Wohnung sein könnt, dann füllt euch einfach eine kleine Flasche Leitungswasser ab und testet dieses zu Hause.
So könnt ihr frühzeitig wissen, ob ihr euch auf neue Werte einstellen müsst oder euch darüber keine großen Gedanken machen müsst. In meinem Fall habe ich am neuen Wohnort nahezu die gleichen Wasserwerte, daher kann ich hier aufatmen.
Sollten sich bei euch allerdings die Werte stark unterscheiden, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
- Wenn der Umzug noch eine Weile in der Zukunft liegt, könnt ihr anfangen eure Fische bereits an die neuen Wasserwerte zu gewöhnen. Entweder härtet ihr euer Wasser auf oder verdünnt es mit Osmosewasser, um die zukünftigen Werte annähernd zu erreichen. Bitte aber langsam die Werte verändern, die Fische, insbesondere die Kiemen, benötigen Zeit, um sich an die neuen Werte anzupassen. Dies hat den Vorteil, dass man nur für die Übergangszeit einen Einfluss auf die Chemie des Wassers nehmen muss, da man die Tiere ja langsam an das zukünftige Leitungswasser gewöhnt. Der Nachteil ist allerdings, dass diese Methode nur funktioniert, wenn die Werte sich nicht zu sehr unterscheiden. Weichwasserfische, wie die Schmerlen beispielsweise werden trotz ewig langer Eingewöhnungszeit nicht gesund in Wasser mit einer Gesamthärte von über 25° oder 30° leben können.
- In so einem Fall hat man nur die Möglichkeit auf Osmosewasser umzusteigen, dass man aufsalzen muss. Oder das neue Leitungswasser kräftig mit Osmosewasser verdünnen, bis man akzeptable Wertebereiche erreicht, die den Tieren ein geeignetes Umfeld bieten. Osmosewasser ist reines Wasser, ohne jegliche Spurenelemente, also quasi einem GH- und KH-Wert von 0. Dieser Lebensraum ist für die wenigsten Tiere geeignet, allerdings kann man die Werte durch Zugabe von Salzen ganz leicht auf das gewünschte Niveau erhöhen. Man hat also volle Kontrolle über alle Wasserwerte.
Dies ist tatsächlich gängige Praxis in einigen Bereichen der Garnelenzucht, da diese besonders weiches Wasser benötigen. Allerdings ist das auch mit erheblichen Mehrkosten verbunden, denn eine Osmoseanlage ist wirklich nicht günstig, diese kann schnell mehrere hundert Euro kosten.
Man merkt also, dass es wichtig ist sich über das Thema der Wasserchemie ein paar Gedanken machen muss, da man sonst schnell vor großen Problemen oder hohen Kosten steht. Ohne diese Hinweise zu beachten, kann es schnell ein böses Erwachen geben und die Freude an der Aquaristik zerstören.
Fütterung
Ja, auch dieses Thema spielt beim Umzug eine Rolle und zudem ist diese gar nicht gering!
In den letzten zwei bis drei Wochen vor dem Umzug wird nämlich empfohlen das Fütterungsintervall am Tag zu erhöhen. Statt einer Fütterung am Abend, soll es in dieser Zeit gleich zweimal am Tag eine Portion Futter geben, es sollte dazu sehr abwechslungsreich sein, um die Depots der Tiere mit wichtigen Nährstoffen aufzufüllen, bevor die stressige Zeit beginnt.
Denn mindestens einen Tag vor und ein bis zwei Tage nach dem Umzug sollte man die Fische nämlich nicht füttern, um die Wasserbelastung und den Stress so gering wie möglich halten zu können.
Bei längeren Transportwegen wird dadurch auch verhindert, dass das Transportwasser in der Zeit zu stark durch Kot belastet wird. Den Tieren schaden diese paar Tage ohne zusätzliche Nahrung überhaupt nicht, sie finden genug zu fressen, im Gegenteil, nach einer längeren Phase der stärkeren Fütterung, ist eine kurze Idee sogar ratsam.
Manch einer empfiehlt auch noch die Zugabe von weiteren Wasserzusätzen, wie Vitaminpräparaten oder Aloe-Vera. Diese sollen schützend und beruhigend, insbesondere für die Schleimhäute und Kiemen der Fische sein. Hier sind die Meinungen aber sehr geteilt, einige schwören auf solche Zusätze und würden nicht ohne umziehen. Andere wiederum halten das alles nur für Marketing und einen Weg den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn man mich fragt, liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Sicherlich können solche Mittel unterstützend wirken, allerdings würde ich mich auch nicht alleine auf so etwas verlassen. Es müssen alle Parameter stimmen.
Was ich allerdings ohne schlechtes Gewissen an dieser Stelle empfehlen kann ist eine andere Art von Zusatz; Laub! Getrocknete Blätter von Eiche, Walnuss oder Mandel beispielsweise enthalten viel Huminsäure, die einerseits eine desinfizierende Wirkung hat und andererseits den pH-Wert des Wassers leicht senken kann, was ebenfalls einen positiven Effekt auf das Wohlempfinden der meisten Fische hat. Und das Gute daran: Das ist keine Geldmacherei, Laub finden wir überall und das völlig umsonst!
Man sollte natürlich darauf achten unbelastete Blätter in das Aquarium zu geben, also nicht in der Nähe einer vielbefahrenen Straße sammeln oder anderweitig verunreinigte Blätter nehmen.
Wenn man keine Lust hat sich selbst die Mühe zu machen und Blätter zu sammeln und zu trocknen, dann kann man diese natürlich auch schon fertig kaufen, ob da die Preise aber gerechtfertigt sind, liegt wohl im Auge des Betrachters.
Da das Thema Laub allerdings so spannend und vielseitig ist, wird es dazu noch separate Beiträge geben.
Was brauche ich noch alles?
Neben dem Futter und den Wasserwerten gibt es natürlich noch eine Vielzahl anderer Dinge, die ich beachten oder besorgen muss, um wirklich sicher umziehen zu können.
Damit ich in so einem Fall nicht den Überblick verliere und nichts vergesse, kommt natürlich wieder meine Leidenschaft für Tabellen und Auswertungen zum Tragen. Nichts bietet sich im Fall eines Umzugs mehr an, als eine einfache Checkliste zu erstellen, die ich schrittweise abarbeiten kann.
Diese ist schnell erstellt und bietet die beste Übersicht, um alles zu beachten. Manch einer hakt auch einfach gern etwas von der To-Do-Liste ab, das gibt einem immer ein gutes Gefühl.
Um dir einen Ansatz zu bieten, wie die Checkliste aussehen kann hier mal ein kurzer Ausschnitt aus meiner Liste:
Wie du siehst brauche ich nicht viele Details in dieser Liste, das würde nur die Übersichtlichkeit stören, so habe ich alle Punkte auf einen Blick und muss nur noch abhaken, sobald ich einen Punkt erledigt habe. Vergessen kann man so wirklich nichts.
Es muss dafür auch keine Excel-Tabelle sein, ein handgeschriebener Zettel reicht auch vollkommen aus, wenn das leichter ist. Für mich persönlich geht es schneller diese Liste in Excel zu erstellen, als per Hand, aber das muss jeder für sich entscheiden.
Für alle die sich nicht so sehr in Excel auskennen oder einfach keine Lust oder Zeit haben, aber trotzdem eine digitale Checkliste wollen, habe ich hier mal meine Vorlage als Muster zum Download hochgeladen.
Fortsetzung folgt..
Das soll aber erst mal alles gewesen sein für den ersten Teil der Umzugsreihe. Ich kann auch noch gar nicht abschätzen, wie viele Teile es schlussendlich werden, da ich ja auch meinen eigenen Umzug ein stückweit begleiten möchte in diesem Blog.
In einer Woche beginnt dann nämlich bereits der Aufbau der neuen Becken. Dafür kommen dann natürlich noch separate Beiträge, in denen alle Einzelheiten der neuen Aquarien ausführlich beschrieben werden.

